St. Nikolaus Münster

Von der Nikolauskapelle zur gotischen Stadtkirche
Der heutige spätgotische Münsterbau ( ab 1424 ) hat mindestens 5 Vorgängerkirchen, jenachdem wie man die An– und Umbauten zählt. Entsprechend der Stadt-Entwicklung kann man den Bauperioden die Namen geben:
Fischer-Kapelle, Markt-Kirche, Zünfte-Kirche, Pfarr-Kirche, Reichsstadt-Kirche, Nachreformatorische Kirche.
Fischer-Kapelle, um 1000 : An der Stelle des heutigen Münsters stand für die Fischersiedlung ein kleiner einschiffiger romanischer Saalbau, geweiht dem Heiligen Nikolaus, dem Patron der Seeleute.
Marktkirche, nach 1150 : Als sich Überlingen zu einem wichtige Fährübergang über den See entwickelte und Friedrich Barbarossa dem Königsgut das Marktrecht verliehen hatte (um 1180), folgte eine etwas größere dreischiffige, chorlose Säulenbasilika.
Zünfte-Kirche, nach 1280 : Aus der königlichen Marktgemeinde wurde eine Bürgerstadt mit Zunftverfassung. Die romanische Basilika wurde um einen Chor und 2 Seitenkapellen erweitert.
Diesen 3 romanischen Bauetappen folgten 3 gotische.
Pfarr-Kirche, 1350- 1420 : Nach dieser Entwicklung Überlingens zur Stadt am See war es nicht mehr denkbar, dass die eigentliche Pfarrkirche im oberhalb der Stadt gelegenen Weiler Aufkirch blieb. Nach dem Übergang der Pfarrrechte auf die St. Nikolaus Kirche kam es zu ersten größeren gotischen Bauänderungen: Verlängerung des Hauptschiffes, Errichtung des gotischen Chores, Bau des 4 stöckigen Nordturmes für das erste Geläute und des bis heute niedrigeren Südturmes. In ihm läutet seit 1444 die auf dem Münsterplatz gegossene 8,85 Tonnen schwere Osanna-Glocke
Reichsstadt-Kirche, 1424 - 1510 : Die vollständige Reichsfreiheit (1397), der wirtschaftliche Aufschwung beflügelten Überlingen zu einem vollständigen Neubau des Kirchenschiffes nach Ulmer- und Schwäbisch- Gmünder Vorbild, einer Hallenkirche unter der Leitung von Hans Dietmar (1424– 1460). Diese wurde ab 1470 noch erweitert durch einen Kapellenkranz zwischen den Strebepfeilern.
Nachreformatorische Kirche, 1512– 1524; 1544– 1576 : Wohl schon im Stadium der Hallenerweiterung wurde noch vor der Reformation nach Ulmer Vorbild begonnen mit dem Umbau zur Basilika durch Absenkung der Seitenschiffe und Erhöhung der Mittelschiffes. Baumeister war im wesentlichen Christian Wolgemut. Nach einem Baustillstand während der Reformation am Bodensee wurde die Basilika mit der vollständigen Einwölbung und der Turmerhöhung mit einer welschen Haube vollendet. Dieser Nordturm nahm ein neues Geläute auf, mit zum Teil alten-, zum Teil umgegossenen und zum Teil neuen Glocken.
Die Vielfalt der Eindrücke vom Innenraum
Je nach Standpunkt im imposanten Innenraum gewinnt man den Eindruck einer zum Chor führenden „Wegekirche", einer weiträumigen Hallenkirche oder kleiner privater Andachtsräume im Kapellenkranz. Eine vor das Chorgitter vorgezogene Altarzunge für den Volksaltar dient dem heutigen Verständnis des Gottesdienstes als eucharistische Feier, einer zum eucharistischen Mahl versammelten Gemeinde.
Die Ausstattung mit Altären, Skulpturen und Fresken
Die Ausstattung des Raumes stammt aus allen Bauepochen vom 14. bis ins 20. Jahrhundert. Dabei sind die Altäre Musterbeispiele einer kontinuierlichen stilgeschichtlichen Entwicklung seit der späten Gotik. Besonders der dominierende Renaissance-Hochaltar, ein Schnitzwerk der Bildhauerfamilie Zürn, íst ein unwiderstehlicher Blickfang für jeden, der das Münster durch das Hauptportal betritt und nach vorne schreitet.
Der Hochaltar, 1613 vom Rat der Stadt an den ansässigen Bildhauer Jörg Zürn in Auftrag gegeben, wurde in 3 Jahren geschaffen. Dabei holte der Bildhauer seinen Vater und 3 seiner Brüder zur Mithilfe aus der Heimatstadt Bad Waldsee. Die Familientradition der späten Gotik wird von Jörg in die Renaissance geführt. Sowohl der Vater als auch die Brüder „gehen am Hochaltar in seine Schule."
Auch in der Ikonografie des Altares kommt noch einmal das vergangene Mittelalter ins Spiel, das Ensemble thematisiert das traditionelle geschlossene Welt- und Glaubensbild der vergangenen Zeit, von dem die Stadt geprägt worden war:
Die Reichsgeschichte, die Stadtgeschichte und der bedrohte Alltag, im Glauben eingebettet in das Heilsgeschehen.
Die 4 Hauptbilder von der Predella bis zur Spitze zeigen das Heilsgeschehen:
Die Verkündigung, die Geburt Jesu, der Kreuzestod, die Erhöhung Jesu zur Rechten des Vaters bis zur Krönung Mariens, der Ersterlösten.
Die Notwendigkeit der Erlösung (von Tod, Krankheit und Sünde) wird deutlich durch einen echten Totenschädel zu Füßen des erhöhten Jesus, durch die Erinnerung an die gerade überstandene Pest
(mit den Pestheiligen Rochus und Sebastian) und durch den gestürzten Satan zu Füßen Michaels. Für Überlingen wird diese Weltdeutung im Glauben vermittelt in den Kirchen am Ort, deren 3 Patrone Nikolaus (Münster), St. Michael (Mutterkirche Aufkirch) und Sylvester (älteste Kirche vor den Toren der Stadt) den Hochaltar in 3 Eckpunkten eines Dreiecks umschließen.
Man kann vielleicht im Erzengel Michael als Reichspatron und im Papst Sylvester als Repräsentant des Gottesreiches noch einen reichsstädtischen Gesichtspunkt vermuten. In Überlingen, einem wichtigen Seeübergang auf dem Jakobsweg, darf eine Jakobusstatue am Hochaltar natürlich nicht fehlen.
Zwei weitere Altäre von Jörg Zürn sind der sog. Betzaltar und der Allerseelenaltar.
Der Marienaltar oder Betzaltar, 1607 bis 1610, genannt nach dem Stifter Junker Erasmus Betz enthält in einem Renaissance-Aufbau Bildszenen vom Tod Mariens, ihrer Krönung im Himmel und Maria als Beschützerin der Familie Betz.
Der Allerseelenaltar oder Schutzengelaltar (1634) war das letzte Werk Jörg Zürns vor seinem Tod 1636. Er wurde zum Gedächtnis des verstorbenen Stifters des Marienaltares von dessen Bruder gestiftet. Schutzengel, die Erzengel Raphael und Gabriel, die Sterbebegleiter Ursula und Christophorus sind dargestellt.
Der Rosenkranzaltar (vollendet 1640) von den Brüdern Martin und David Zürn rundet die Reihe der Zürn-Altäre ab. Gestiftet von der Familie Schulthais/ Han zum Dank für die überstandenen Schwedenbelagerungen.
Den Auftakt für den Gang durch die Altargeschichte bildet der spätgotische Kreuzaltar von Hans Ulrich Glöckler: Ein Flügelaltar mit einer Kreuzigung im Schrein und den zwei Legenden zu den beiden Kreuzfeste in den Flügeln.
Mit üppigen Aufbauten und Skulpturen zieren im Barock- und im neogotischen Stil 5 Altäre die Seitenkapellen. Die Bildhauerwerkstätten Machein, Eberle, Marmon und Mezger waren damit beauftragt.
Bedeutende Ausstattungsstücke sind die Skulpturen, die zum Teil schon aus den Vorgängerkirchen des Münsters stammen:
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Ein sitzender lehrender, jugendlicher Bischof Nikolaus aus der

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Konstanzer-Werkstätte des Meisters Heinrich (1300)
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Eine Verkündigung eines oberrheinischen Meisters (1300)
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Skulpturen für das Chorgestühl (1430)
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Ein kreuztragender Christus, die sog. „usfürung" (1430)
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Eine Pieta aus der schwäbischen Schule (1470)
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Eine schöne Madonna, die apokalyptische Frau vom Ulmer Bildhauer G. Erhart (1510)
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Eine Kanzel mit prächtigem Kanzelkorb (1550)
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Ein Apostelzyklus an den Pfeilern (1560)
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Ein Sakramentshaus von Jörg Zürn (1611)
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Ein Nikolaus von Georg Machein (1705)
Bevor die Altäre gestiftet wurden, waren die Seitenkapellen schon mit heute noch erhaltenen Fresken ausgemalt. :
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Die heilige Elisabeth legt die Krone nieder (1475)
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Maria in den Sonnen (1475)
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Eine Visitatio (1540),
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und Heiligen-Darstellungen
In der süd- westlichen Vorhalle ist eine Schutzmantelmadonna von Marx Weiss (1560)
Die gotische Achtecklaterne des Ölberg ist ein beherrschender Akzent in der Südwestecke des Münsterplatzes. Er wird dem Baumeister Lorenz Reder aus Speyer zugeschrieben.
Die zwei Orgeln
Auf der West-Empore steht die große Nikolaus-Orgel von 1968 mit 53 Registern, verteilt auf 3 Manuale und Pedal. Sie ist ein Gemeinschaftswerk der beiden Überlinger Orgelbauwerkstätten Mönch und Pfaff.

Die barocke Marienorgel am linken Seitenaltar ist ein Orginalwerk des Würzburger Hoforgelmachers Seufertt aus dem Jahr 1761. Sie hat 12 Register, 10 im Manual und 2 im Pedal.
Ein etwas erweiterter Text mit Bildern finden Sie unter http://www.erzbistum-freiburg.de, Kirche des Monats. Archiv.
Die Schatzkammer
Der Kirchenschatz des Münsters St. Nikolaus gehört hinsichtlich Umfang und Qualität zu den bedeutendsten der Erzdiözese Freiburg. Ein Großteil der Objekte gelangte als Stiftung von Bürgern, Geistlichen und dem Rat der Stadt an das Münster, worauf die zahlreichen gravierten Inschriften und angebrachten Wappen hinweisen.
Die überwiegende Mehrheit der Goldschmiedewerke wurde in Augsburg und im Bodenseegebiet, insbesondere in Überlingen und Konstanz, gefertigt. Als Ergebnis lokaler Handwerks-tradition bewahrt das Münster den umfangreichsten Bestand an Überlinger Goldschmiedearbeiten. Im Kirchenschatz ist die gesamte Bandbreite sakralen Silbers vorhanden, also „vasa sacra", wie Kelche, Ziborien oder Monstranzen, die mit der geweihten Hostie in Berührung kommen, und „vasa non sacra", wie Meßkännchen, Weihrauchfässer, Vortragskreuze und Meßbücher. Allein der Kelch, dem innerhalb der Liturgie eine zentrale Rolle zukommt, ist in 30 Exemplaren des 15. bis 20. Jahrhunderts vertreten. Diese Gruppe bildet den größten Bestand im Münsterschatz. Von besonderer Qualität sind auch die Silberfiguren, die vor allem im 17. und 18. Jahrhundert erworben und meist als Behältnisse von Reliquien genutzt werden.
Aus Überlingen, Konstanz und Engen stammend, belegen sie die hohe Qualität der regionalen barocken Silberplastik.
Zu den bedeutendsten Werken gehört die spätgotische Monstranz aus dem 15. Jahrhundert. Sie ist mit zahlreichen gestifteten Pretiosen Überlinger Bürger – meist Ringe und Broschen – geschmückt. Ein wichtiges Werk ist auch der Hausaltar von Matthäus Wallbaum aus Augsburg. Dieser kleine Hausaltar ist eine Stiftung des Breslauer Domherrn Konrad Waibel, der aus Überlingen stammt. Das emaillierte Wappen von Waibel wurde anläßlich der Stiftung 1606 von Hans Roßheim gefertigt.
Zu den ältesten Werken gehört ein Vortragskreuz, geschaffen um 1300. Dieses Kreuz gehört zu einer Gruppe von Vortragskreuzen mit lilienförmigen Kreuzenden, die vor allem im Bodenseegebiet nachzuweisen sind und vermutlich in Konstanz entstanden.

Die Bilder wurden freundlicherweise von der Firma Foto Lauterwasser unentgeltlich zur Verfügung gestellt. (Copyright Lauterwasser, Alle Rechte vorbehalten.)
Die Schatzkammer in einem der Münstertürme ist i.d.R. nicht öffentlich zugänglich und kann nur unter Aufsicht und nach entsprechender Terminvereinbarung besichtigt werden.Viele der oben beschriebenen Gegenstände sind aber nach wie vor während der Liturgie im Gebrauch.
